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Ausgabe 536
9 bis 15. September 2010 |
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Unter Fischen und Forschern
Die Wissenschaft ist den Geheimnissen der Unterwasserwelt auf der Spur
VON ANJA MARKS
Mallorca, 9. September – Wir schwimmen beinahe das ganze Jahr im Meer, tauchen, schnorcheln, segeln, surfen oder durchqueren es mit dem Kanu, doch die Welt unter Wasser ist selbst für Forscher größtenteils noch ein Rätsel. Auch das Mittelmeer, das als eines der am besten erforschten Meere der Erde gilt, hält immer wieder Überraschungen bereit.
„Wir leben auf einer Insel, was liegt da näher, als das Leben im Meer um uns herum zu erforschen“, sagt Enric Massutí. Seit Dezember 2008 ist er Direktor des Ozeanografischen Instituts der Balearen in Palma (COB). Wie wirkt sich der Klimawandel auf das Unterwasser-Leben aus? Mit welchen Strömungen gelangen Quallen in unsere Gewässer? Warum gäbe es ohne Algen weniger Sand, und welche Giftstoffe gelangen ins Meer?
Auch der Schutz der Balearengewässer, die jedes Jahr von Millionen Menschen genutzt werden, hat sowohl für Forscher als auch für touristische Unternehmen einen hohen Stellenwert. Müllentsorgung an Stränden und im Wasser gehen Hand in Hand mit europäischen Kontrollmechanismen wie der Blauen Flagge oder jährlichen Überwachungen der Wasserqualität. „Das Balearen-Gewässer ist in einem akzeptablen Zustand, aber es könnte besser sein“, sagt Dr. Enric Massutí. Dass nicht nur das Mittelmeer, sondern die Weltmeere insgesamt immer sorgsamer gehütet werden, zeigt die steigende Zahl von Meeresschutzprojekten und prominenten Menschen, die ihre Namen nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
„Was wissen wir eigentlich über das Meer, das uns umgibt? Wir haben submarine Vulkane entdeckt und beobachten Haiarten, die es schon lange vor den Dinosauriern gab. Aber wir schaffen es nicht, bestimmte Fischsorten vor dem Aussterben zu bewahren“, sagt Massutí.
Dabei hat keine andere Region Spaniens so viele Meeresnaturparks wie die Balearen. Sieben Gebiete mit insgesamt 58.300 Hektar stehen hier unter Naturschutz, hinzu kommen die Gewässer im Nationalpark Cabrera. Es lohnt sich also, etwas genauer hinzuschauen und abzutauchen in die faszinierende Unterwasserwelt rund um Mallorca.
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Schwimmende Müllabfuhr
Jedes Jahr investieren die Balearen Millionen in die Reinigung von Stränden und Badegewässern
VON ANJA MARKS
Mallorca, 9. September – Saubere Strände und Wasser ohne Treibgut, das hat für alle Gemeinden der Insel hohe Priorität. Schließlich sind Mallorcas Strände das Aushängeschild der Insel, ebenso wie das klare Wasser der Buchten. Sowohl zu Land als auch zu Wasser sind deshalb in der Sommersaison täglich Müllbeseitigungtrupps im Einsatz.
Von Juni bis September ziehen frühmorgens knapp 40 Müllschiffe ihre Runden entlang der Strände und Küsten der Baleareninseln. Sie sammeln Plastikflaschen und anderen Müll, der von den Stränden ins Meer geweht wurde, sowie illegal verklappte Abfälle von Yachten und Schiffen auf. Auch natürliches Treibgut wie Baumstämme gehören zu ihrer „Beute“. Über 1600 Tonnen Abfall haben die Schiffe seit Beginn der Aktion im Juni 2004 aus dem Mittelmeer gefischt. Das Umweltministerium und das Ministerium für Tourismus der Balearen finanzieren die Reinigung des Meeres allein in diesem Jahr mit 2'6 Millionen Euro.
An Land wird ebenfalls frühmorgens geschuftet, an einigen Stränden beinahe rund um die Uhr. Allein an der Playa de Palma baden in der Hochsaison täglich rund 15.000 Urlauber. Sie hinterlassen Essensreste, Pappbecher, Flaschen, Papier oder Plastik. Dabei landet längst nicht alles in den 400 Mülltonnen, die die städtische Entsorgungsgesellschaft Emaya dort aufgestellt hat. 87 Arbeiter sind von Mitternacht bis 19 Uhr damit beschäftigt, den bekanntesten Strand der Insel sauber zu halten. Auf einer Länge von sechs Kilometern, vom Club Náutico „Sant Antoni de la Playa“ in Can Pastilla bis zum „Torrent de los Judíos“ an der Grenze zu Arenal sind sie im Einsatz. Sie pflügen in der Nacht mit speziellen Fahrzeugen den Strand um und filtern den Müll heraus. Eine zweite mobile Truppe sammelt die letzten Reste ein.
An kleineren Stränden sieben die Spezialfahrzeuge früh am Morgen den Sand, Putzkolonnenleeren die Mülleimer.
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Projekt zum Schutz von Delfinen
Mallorca, 9. September – In den Balearengewässern ist der Anblick von Delfinen keine Seltenheit, obwohl die Lebensbedingungen auch hier nicht optimal sind. Wer mit dem Boot vor Mallorca kreuzt, wird mit etwas Glück von einer Gruppe dieser Tiere begleitet, die gerne eine Zeit lang den Schiffen folgen, um dann wieder abzutauchen, als sei die Begegnung schnell langweilig geworden. Rund 1000 Delfine, so schätzt man, leben derzeit rund um die Inseln. Leider landen immer wieder Exemplare in den Netzen der Fischer, was das balearischen Fischereiministerium im vergangenen Jahr zu einem neuen Projekt veranlasste: Fischer werden mit Unterwassermikrophonen ausgestattet, die die Laute der Meeressäuger aufnehmen. In diesen Fällen sind die „Pescadores“ angehalten, ihre Netze an einer anderen Stelle auszuwerfen. Die Laute werden auch zu Forschungszwecken ans Ministerium weitergeleitet. (am)
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Feindliches Terrain
Quallen, Haie, Seeigel: Gefahren am Strand und unter Wasser
Mallorca, 9. September – Nicht alles am Mittelmeer ist eitel Sonnenschein, besonders dann nicht, wenn einem am Strand oder beim Schwimmen unangenehme Zeitgenossen begegnen.
Wer schon einmal die Stacheln eines Seeigels in den Fußsohlen gespürt hat, weiß, wie schmerzhaft das sein kein. Zudem sind die Kalkstifte auch noch schwierig zu entfernen, weil sie leicht brechen. Ebenso unangenehm sind Feuerquallen, die beinahe jeden Sommer von sich reden machen. Typisch für die Gewässer um Mallorca ist die Leuchtqualle (Pelagia Noctiluga), bei deren Berührung es zu unangenehmen Verbrennungen kommen kann. Als lebensgefährlich gilt der Kontakt mit der „Portugiesischen Galeere”, die ebenfalls schon in hiesigen Gewässern gesichtet wurde, allerdings sehr selten.
Petermännchen und Haie gehören zu den gefährlicheren Spezies, die in mediterranen Gewässern heimisch sind. 46 Haiarten bevölkern das Mittelmeer, viele von ihnen auch rund um die Baleareninseln. Allerdings kommen sie selten in Küstennähe und bedeuten deswegen kaum eine Gefahr für den Menschen. Die giftigen Petermännchen (Trachinus Radiatus) hingegen treiben auch in Strandnähe ihr „Unwesen”. Eine Berührung mit den giftigen Stacheln der Fische, auch wenn sie leblos an den Strand angespült wurden, ist schmerzhaft und kann bei allergischen Reaktionen lebensgefährlich sein.
In der Regel wird aber eher der Mensch den Lebewesen im Wasser gefährlich. Viele Arten, so die Meeresschutzorganisation Oceana, sind vom Aussterben bedroht: Dazu gehören fleischfressende Schwämme, Rochen und verschiedene Krustentiere. Oceana fordert daher die Ausweisung weiterer Schutzgebiete. (am)
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