Ausgabe 536
9 bis 15. September 2010
Googlemallorcamagazin.net

Ex-Alkalde von Andratx gesteht

Eugenio Hidalgo hat Bestechungsgeld angenommen

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Mallorca, 10. September – Der ehemalige Bürgermeister von Andratx hat zum ersten Mal eingeräumt, während seiner Amtszeit Bestechungsgeld angenommen zu haben. Eugenio Hidalgo (Foto) war bis Herbst 2006 Gemeindeoberhaupt. Dann wurde er von der Polizei wegen des Verdachts auf Korruption verhaftet. Er muss sich in mehr als 70 Gerichtsverfahren verantworten.

In der achten Verhandlung des Prozessmarathons am Donnerstag hat er nun erstmalig Verfehlungen eingeräumt. Hidalgo gestand, 30.000 Euro von einem Bauunternehmer angenommen zu haben. Im Gegenzug genehmigte er im Eilverfahren den Bau mehrerer Gebäude, eines davon auf einem Grundstück, das nicht als Bauland ausgewiesen war. Außerdem gab er zu, Dokumente vernichtet zu haben, die die Legalität der Bauvorhaben in Frage stellten.

Das Geständnis des ehemaligen Politikers der konservativen Volkspartei (Partido Popular, PP) ist Teil einer neuen Strategie seines Verteidigers zur Begrenzung der Gesamtstrafe. In Spanien gibt es die Möglichkeit, bei einer Vielzahl von geringeren Hafturteilen die Gesamtstrafe auf das Dreifache des höchsten verhängten Freiheitsentzuges zu beschränken. Bislang ist er in einem Fall zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wird diese Strafe in keinem der noch ausstehenden Verfahren übertroffen, könnte Hidalgo mit insgesamt neun Jahren Haft davonkommen.

Bislang ist die Strategie aufgegangen: Als Gegenleistung für das Geständnis reduzierte die Staatsanwaltschaft ihre Haftforderung in diesem Fall von mehr als acht auf zwei Jahre. Das Gericht folgte dem Antrag, Hidalgo akzeptierte die Strafe.

Mallorca-Flüge werden teurer

Airlines und Reiseveranstalter kassieren Flugsteuer

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Mallorca, 9. September – Wer 2011 von einem deutschen Flughafen nach Mallorca reisen will, muss mit höheren Preisen rechnen. Airlines und Reiseveranstalter haben sich entschlossen, die geplante Luftverkehrsabgabe (bei Flügen auf die Insel in Höhe von acht Euro) ab sofort bei Buchungen für das kommende Jahr auf die Ticketpreise aufzuschlagen. Sollte die von der Bundesregierung angekündigte Steuer dann doch nicht eingeführt werden, muss das Geld erstattet werden.

Während bei Air Berlin, Germanwings, Tui-Fly, Lufthansa und vermutlich auch Condor Mallorca-Flüge ab sofort oder in den nächsten Tagen um acht Euro teurer werden, kassieren Reiseveranstalter wie Thomas Cook, Rewe Pauschaltouristik und Tui ab sofort neun beziehungsweise zehn Euro – weil die Abgabe den Reisepreis verteuert und damit auch die Provision steigt, die den Reisebüros zusteht.

Gleichzeitig laufen Vertreter der Fluggesellschaften und der Reiseveranstalter weiter Sturm gegen die Steuer. Einer der Hauptkritikpunkte ist, die Abgabe sei ungerecht, weil alle Passagiere gleichermaßen belastet werden – unabhängig von der gebuchten Preiskategorie. Außerdem werde die Steuer dazu führen, dass Reisende nicht mehr von deutschen Flughäfen starten werden, sondern aus dem benachbarten Ausland. Auch die Tourismusbranche auf Mallorca befürchtet negative Auswirkungen auf die Urlauberzahlen. Die balearische Tourismusministerin Joana Barceló sagte: „Alles, was den Flugverkehr teurer macht, hat negative Auswirkungen auf die Balearen.”

Bislang ist die Luftverkehrssteuer lediglich von der Bundesregierung beschlossen. Bundestag und Bundesrat müssen dem enstprechenden Gesetzentwurf noch zustimmen. Dieser sieht vor, dass die Abgabe für alle seit dem 1. September gebuchten Flüge des Jahres 2011 fällig wird – zur Not nachträglich. Da Airlines und Reiseveranstalter bezweifeln, dass sich die Steuer im Nachhinein noch eintreiben lässt, wird sie nun ab sofort kassiert. (am/jm)

Galerien-Hopping

Lange Nacht der Kunst in Palma am 16. September

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VON GABRIELE KUNZE

Mallorca, 9. September – Die „Nit de l`Art“, die Kunstnacht von Palma, ist die große Kunstschau für das Publikum. Jahr für Jahr tummeln sich Tausende von Kunstfreunden in der Stadt, hetzen oder bummeln von Galerie zu Galerie. Insgesamt sind in diesem Jahr am Donnerstag, 16. September, ab 19 Uhr bis oft weit nach Mitternacht 24 Galerien und Kunstzentren geöffnet, die 33 Ausstellungen zeigen.

Organisiert wird das Kunstspektakel von den beiden Galeristenverbänden AIGAB (Associació Independent de Galeríes d` Art de Balears), dessen Galerienmitglieder sowohl in Palma als auch in anderen Orten zu Hause sind, und von ArtPalma. In diesem Verband sind die meisten großen Galerien der Stadt zusammen geschlossen.

Es ist AIGAB und dessen Präsident Biel Perelló zu verdanken, dass seit einigen Jahren auch Galeristen aus Alaró, Andratx, Pollença, Can Picafort und Felanitx ihre Künstler zur Kunstnacht in Palma präsentieren. Die „auswärtigen Künstler“ werden in den Räumen des Kulturzentrums La Misericórdia zu sehen sein.

Die in Palma ansässigen Galerien beider Verbände zeigen ihre Ausstellungen selbstverständlich in den eigenen Räumen.

In den vergangenen Jahren war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass zur Kunstnacht alle Galerien auch ihre Vernissagen, die Neueröffnungen ihrer Ausstellungen haben. Sozusagen als Auftakt zur Herbst- und Wintersaison. Das ist in diesem Jahr in einigen Fällen durchbrochen worden. Das Kulturzentrum Pelaires etwas hat schon vor gut drei Wochen die Werkschau von Bernardí Roig eröffnet. Für die Besucher ist das von Vorteil, denn niemand kann auch nur annähernd alle Ausstellungen an einem Abend besuchen. Im Grunde genommen gibt die Nit de l´Art eine ersten Einblick in die augenblickliche Kunstszene, zumal alle Ausstellungen, bis auf jene aus den anderen Orten der Insel, für mindestens vier bis sechs Wochen geöffnet sind.

Ungewöhnlich in diesem Jahr ist, dass fast alle Galerien auf Einzelausstellungen verzichten und Kollektivausstellungen zeigen. Damit haben sie mehr Möglichkeiten, in Krisenzeiten eine breitere Palette ihres Angebotes zu präsentieren.

Die Nit de l´Art ist keine Verkaufsschau. Sammler sind an diesem Abend nur selten in den Galerien zu finden. Dafür aber viel Publikum. Es kommen auch solche Besucher, die sich vielleicht sonst nur selten für Kunst interessieren. Denn das Ambiente ist bezaubernd, die Stadt höchst lebendig.

Es ist schwierig, aus dem großen Angebot Highlights hervorzuheben. Aber so viel sei gesagt: Gleich vier Ausstellungen bietet das Casal Solleric am Borne: Skulpturen von Ferrán Aguiló aus Santanyí-Stein, Eisen und Holz aus dem Jahre 1986 bis 2010; Comics des Amerikaners Wallace Wood, eine Installation von Daniel Canogar und eine digitale Arbeit von Daniel Palacios.

Das Museum Es Baluard zeigt Fotos aus Ibiza und Formentera von Alberto García-Alix - schräg, schrill und ungewöhnlich. Dazu abstrakte Arbeiten aus dem Fundus des Museums: „Rumor del mundo: del informalismo al las nuevas abstracciones 1950 – 2010“.

Die Galerie Maior feiert ihr 20-jähriges Bestehen mit Arbeiten von Eva Lootz, Susan Solano und Luis Gordillo.

„Andere haben eine Yacht“

Gerardo Cañellas, Initiator von Jazz Voyeur, würde aus dem Festival gerne eine große Fiesta machen

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VON GABRIELE KUNZE

Mallorca, 9. September – "Wir sind konsolidiert“, sagt Gerardo Cañellas, der vor sieben Jahren gemeinsam mit dem Argentinier Roberto Menéndez das Festival Jazz Voyeur ins Leben gerufen hat. „Und wir zwei Verrückten sind offenbar inspirierend“, sagt er über den Jazz-Boom auf der Insel. Jazz gibt es inzwischen in Dörfern, Kneipen und Hotels. Und es finden immer mehr Festivals statt.

Doch nur das Jazz-Festival von Sa Pobla und eben Jazz Voyeur schauen über den insularen Tellerrand hinaus und bringen internationale Musiker auf die Insel. Was schwer ist. Geld ist denn auch ein heißes Thema für Gerardo Cañellas. „Unser Budget beträgt in diesem Jahr 250.000 Euro, wovon die Hälfte von Institutionen wie Inselrat, Stadt Palma, Imtur und der Landesregierung getragen wird. Den Rest müssen wir selbst aufbringen. Doch die öffentlichen Gelder sind zwar zugesagt, fließen aber immer mit Verspätung. Und wenn wir dann einmal, wie beim ersten Konzert mit Ute Lemper, etwas Kasse machen, behält sich das Teatre Principal vor, mit den Einnahmen erst einmal andere Rechnungen zu bezahlen.“

Dennoch ist Cañellas froh, im Teatre Principal ein „Zuhause“ gefunden zu haben: „Alle anderen Räume hatten große Nachteile. Waren entweder zu klein oder zu groß, hatten schlechte Akkustik. Das Theater ist ideal.“ Davon profitieren Publikum und Künstler. Denn die Musiker gehören ganz verschiedenen Stilrichtungen an: „Wir wollen immer die unterschiedlichen Möglichkeiten des Jazz-Kosmos aufzeigen: Latin-Jazz, Klassik, Avantgarde, Fusion mit Rock oder anderen Richtungen. Und das Gospel-Konzert kurz vor Weihnachten hat nun schon Tradition.“

Gerne würde Cañellas aus dem Festival eine richtige Fiesta machen, würde Bars und Kneipen eine Woche oder ein paar Tage lang mit einbeziehen. Doch die Stadt Palma zieht dabei nicht mit: „Obwohl wir auf diese Weise das Image von Palma anheben würden, ausländische Besucher würden kommen.“

Dennoch kann sich das Rahmenprogramm bereits sehen lassen. Viermal, jeweils am Mittwoch im November, gibt es Filme von Godard, Louis Malle, Jim Jarmusch und Wong Kar-Wai der „Nouvelle Vague“, die alle Verbindung zum Jazz haben. Vom 15. bis zum 22. November finden im Jazz Voyeur Club in Palma Jamm-Sessions mit lokalen und internationalen Musikern statt. Dazu gibt es Meisterklassen für hiesige Musiker, öffentlich und gratis für das Publikum.

Durch die Unterstützung des Institutes Ramón Llull ist nun auch der erste Austausch mit anderen Festivals, in diesem Jahr „Jazz in Sardegna“ zustande gekommen (siehe oben): „Das ist ein guter Anfang“, sagt Canellas. Und mit einem Lächeln fügt er hinzu: „Mancher kauft sich als Hobby eine Yacht, wir haben ein Jazz-Festival.“

Eine Schule für die Nase

Weinverkostungskurse für MM-Leser in der Bodega Santa Catarina bereits ausgebucht

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Mallorca, 9. September – Das ist ja fast wie in der Schule – nur lustiger.” Zwischenrufe wie diesen gab es reichlich bei der Premiere einer Reihe von Weinverkostungskursen, die die Weinkellerei Santa Catarina (Andratx) und das Mallorca Magazin gemeinsam für MM-Leser bieten. Die Veranstaltung am Dienstag kam hervorragend an bei den Teilnehmern. Der einzige Wermutstropfen: Alle Termine dieses Herbstes sind schon ausgebucht, weitere Anmeldungen nicht mehr möglich.

Seit Jahren offerieren die Bodegas Macià Batle und Santa Catarina, die unter dem selben Management stehen, mit großem Erfolg Führungen für MM-Leser. Aber noch nie war das Echo der Leserschaft so groß wie bei dem Angebot, das Verkosten von Weinen zu lernen.

Chefredakteur Bernd Jogalla begrüßt die Gäste im imposanten Gewölbe von Santa Catarina, bevor Bodega-Chefin Lena-Luiza Hertle gleich in die Materie einsteigt. Die Teilnehmer erfahren, dass der Wein mit 90 Bestandteilen nach dem Kaffee das „zweitkomplexeste Getränk” ist. Welche Schwierigkeiten das mit sich bringt, erleben die Eleven im Anschluss beim Blindverkosten von sechs Weinen.

Sicht, Geruch, Geschmack – in dieser Reihenfolge gilt es sich den Tropfen zu nähern. „Blassgelb mit leicht grünlichem Widerschein”, so charakterisiert die Referentin die Farbe des ersten Weines. Und sie erklärt, dass die „Träne” am Glasrand Auskunft gibt über den Alkoholgehalt – je dicker die Träne, desto stärker der Wein.

Ganz schwierig dann die Riech-Phase, viel schwieriger als das Schmecken. Kann man bei Vino Nummer 2 wirklich Mirabellenkompott herausriechen? Die Teilnehmer sind skeptisch, Lena-Luiza Hertle überzeugt: Das sei alles Übungssache. Damit wenigstens die Wortwahl leichter fällt, reicht sie allen eine Liste mit dem gebräuchlichen Weinvokabular. Und sie empfiehlt: „Achten Sie doch jedes Mal, wenn sich sich einen Wein einschenken, ein bisschen auf die Aromen, statt ihn einfach wegzutrinken.” Und noch ein Rat, um die Nase zu schulen: „Gehen Sie auf den Markt, riechen sie einmal ganz bewusst die Erdbeeren oder Kirschen. Später können sie dieses Erlebnis wieder abrufen.” Zur Schulung vor Ort öffnet Hertle die „Aroma-Bar”: Jeder schnüffelt an zwölf kleinen Fläschchen mit Konzentraten verschiedener Stoffe und versucht, den Duft zuzuordnen. Mit fünf Richtigen ist man heute schon unter den Besten, Profis müssten alle Düfte erkennen.

So nach und nach bemerken die Weinschüler, dass sie immer mehr aus den Tropfen „herauslesen” können – der Kurs wird nicht umsonst sein. Aber es bleibt häufig ein ganz persönliches Erleben: „Mein Nachbar riecht etwas ganz anderes”, beklagt einer. „Der hat ja auch eine andere Nase”, kontert sein Gegenüber.

Eine gelungene Fortsetzung findet das Seminar im Restaurant Layn in Port d’Andratx, das sich der Leser-Aktion angeschlossen hat. Zum Sonderpreis genießen die Teilnehmer ein komplettes Menü, und zu jedem Gang wird ein anderer Santa-Catarina-Wein gereicht – gratis.

11. September „Er stand kniehoch in Asche”

Tatiana Abend aus Orient erfuhr von 9/11 via TV. Ihr Bruder Konrad war vor Ort

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VON SUSANNE PETERSEN

Mallorca, 9. September – Dass sich die Tragödie am 11. September 2011 schon zum zehnten Mal jähren wird, ist kaum zu fassen. Tatiana Abend, gebürtige New Yorkerin, die seit 15 Jahren auf Mallorca lebt, erinnert sich vor allem deshalb so gut an diesen Tag, weil ihr Bruder Konrad unmittelbar vor Ort betroffen war: „Er hatte an diesem Morgen ein Meeting in Downtown und war mit der U-Bahn aus Brooklyn gekommen.” Nach Hause flüchtete er wenige Stunden später zu Fuß, berichtet seine Schwester: „Die U-Bahn-Station, aus der er ausgestiegen war, lag unter Trümmern.”

Nur wenige Blocks vom World Trade Center entfernt habe er plötzlich „die erste Explosion” gehört und sei in das „nächstbeste Gebäude mit einem Geldautomaten” gerannt, um Schutz zu suchen. Nach einer weiteren Explosion sei alles sei dunkel geworden, habe ihr Bruder ihr erzählt: „Und als er wieder nach draußen ging, stand er kniehoch in Asche.” Viel erzählen, so Tatiana Abend, habe er aber nicht können, genauso wenig wie andere Angehörige und Freunde aus Manhattan: „Es war einfach nicht fassbar, sie standen alle unter Schock.” Während ihre Mutter auch in Manhattan, aber in sicherer Entfernung in der 71th Street ihre Wohnung hatte, arbeitete ihre beste Freundin Jennifer zu der Zeit in einem Versicherungsbüro in unmittelbarer Nähe zum World Trade Center: „Von der Druckwelle sind dort die Fensterscheiben zerborsten.” Nach dem Unglück ging ihre Freundin – „Sie ist eine toughe Frau” – nach zwei Wochen zurück an ihren Arbeitsplatz: „Solange dauerte es, bis die Zufahrtswege wieder passierbar waren.” Nicht wenige ihrer Kollegen, so habe ihr Jennifer berichtet, seien jedoch von den Geschehnissen derartig traumatisiert gewesen, dass sie sich nicht an den Ort des Grauens zurücktrauten.

Nicht nur ihre Familienangehörige erlebten die Terroranschläge der Selbstmordattentäter hautnah, auch weitere Freunde, so Tatiana Abend, seien von der Tragödie sehr persönlich betroffen gewesen: „Harry, ein sehr guter Freund von mir, hatte zuvor als Banker bei JP Morgan gearbeitet, die ihr Büro im World Trade hatten. Viele seiner früheren Arbeitskollegen kamen bei dem Anschlag ums Leben.” Was sie sehr berührt habe, war ein Satz, den Harry ihr kurz nach dem Unglück gesagt habe: „Bei der Begrüßung fragt man nicht mehr: ,Wie geht es dir?’ Stattdessen sagt man: ,Ist das schön, dich wiederzusehen.”

Tatiana Abend, die die Bilder von den zusammenstürzenden Türmen weitab im Dörfchen Orient im Fernsehen gesehen hat, erinnert sich noch daran, dass sie „diese Absurdität” nicht habe fassen können: „Früher gingen Armeen in Zerstörungswut aufeinander los, jetzt vernichten einfach verrückte Zivilisten ganz normale Menschen?” Froh sei sie natürlich, dass ihr unmittelbares Leid erspart geblieben sei. Nur: „Auf einmal war etwas wirklich, das man für unmöglich gehalten hatte – ein Einschnitt, der irreversibel ist.”

Es Trenc: Sehen und gesehen werden

Ein Besuch an Mallorcas bekanntestem Strand

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VON SUSANNE PETERSEN

Mallorca, 9. September – Das Meer schillert türkisfarben, das Rauschen der Wellen mischt sich mit den Chillout-Klängen aus den Chiringuitos, in angemessenem Abstand dümpeln um die 30 Yachten vor der Küste. Abhängen in relaxtem Ambiente: Ein bunt gemischtes Völkchen aus Einheimischen und Touristen lässt es sich hier gutgehen, stylish neben rustikal, makellose Gel-Frisuren über super-hippen Sonnenbrillen neben mitgebrachtem "Pollo asado" (Brathähnchen) im Alu-Pack auf der Familiendecke. Es Trenc hat für jeden was zu bieten: Sehen und gesehen werden.

Da die Hochsaison langsam ihrem Ende entgegenblickt, geht es auch hier schon etwas gemächlicher zu, obwohl der kostenpflichtige Parkplatz (6 Euro) beim Strandzugang über Campos und die Salinen an diesem frühen Freitagnachmittag fast bis zum letzten Platz besetzt ist (in Ses Covetes stehen nach internen Konflikten - MM berichtete - jetzt drei Bezahl-Parkplätze à 5 Euro zur Verfügung). Vor allem rund um die Chiringuitos herrscht um die Mittagszeit auch am Strand ordentlich Betrieb, an dem großzügigen, fast drei Kilometer langen Strand finden sich aber auch immer wieder Abschnitte, die deutlich weniger dicht belegt sind. Wie die beiden FKK- und FKK/Gay-Abschnitte des Strandes, auf die Rettungsschwimmer Nico von seinem SOS-Auf-sichtsturm aus zeigt - auch wenn deren Grenzen eher fließend und nicht genau erkennbar sind: Es Trenc ist nicht kleinlich.

Was für den Mietpreis für Sonnenschirm und zwei Liegen - 15 Euro - nur bedingt gilt. "Ganz schön happig, aber das hat es auch im vergangenen Jahr schon gekostet", sagt Wolfgang Jansen, der mit Ehefrau Silke just aus Hamburg angereist ist und gleich den gemeinsamen Lieblingsstrand aufgesucht hat. "Was soll's - ist einfach zu schön hier."

Sogar die "medusas", die Quallen, halten sich in diesem Jahr zurück, sagt Nico. Nur der "pez araña", das Petermännchen, habe ihm ein paar Mal Arbeit gemacht, der Kontakt mit dem Giftstachel führe zu Schwellungen und Schmerzen und verlange sofortigen Einsatz: "Aber sonst merkt man, dass die Nachsaison naht, es wird langsam ruhiger." Was seinetwegen noch gar nicht sein müsste, findet Alejandro Sureda, Chef der Bar "Noray" in Ses Covetes. Im Juni und Juli sei der Umsatz sehr "flojo" (schwach), der Besucher-andrang im August nach dem flauen Auftakt mehr als notwendig gewesen.

Am Spätnachmittag ist "Schichtwechsel": Während sich die ersten Touristen Richtung Hotel aufmachen, strömen die Einheimischen an den Strand. Familien, deren Nachwuchs, unter den Augen der stolzen Eltern, erste Badeversuche im flachen Meer unternimmt. Jugendliche, die sich mit Musik nebst lautstarkem Smalltalk aufs Wochenende einstimmen. Und alte Paare, die nebeneinander schweigend dem nahenden Sonnenuntergang entgegenblicken.

Kreuzigung mit Urlaubsflair?

Investorengruppe schlägt christlichen Themenpark in Capdepera vor

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VON ANJA MARKS

Mallorca, 9. September – Kreuzigung, Auferstehung oder das Abendmahl als Sound- und Lightspektakel erleben, durch die Straßen von Jerusalem schlendern, vorbei an einer 18 Meter hohen Christus-Figur, oder eine Mega-Krippe mit Hunderten von lebensgroßen Figuren bestaunen: Ob dies auf Mallorca Wirklichkeit werden könnte, wird in der Gemeinde Capdepera zurzeit heftig diskutiert.

Vorbild für diese Art religiöses Disneyland ist der Park „Tierra Santa” in Buenos Aires, der laut Bürgermeisteramt Capdepera durch einen europäischen Repräsentanten, die Investorengruppe „Sigma”, geeignete Standorte auf Mallorca prüfen lässt.

„Im Frühjahr wurde uns von den Vertretern des Parkes in Argentinien ein vierseitiges Dossier mit Inhalten, Kostenkalkulation und möglichen Vorteilen für die Gemeinde vorgelegt, mit der Bitte, diese mit hiesigen Politikern und Vertretern der Wirtschaft zu erörtern”, erklärt Josep Gallego (UCAP-UM), Bürgermeister von Capdepera, gegenüber dem Mallorca Magazin. Auf einem rund sieben Hektar großen Gelände soll gemäß des Dossiers unter anderem das alte Jerusalem samt Klagemauer nachgebaut werden. Auch Bars und Restaurants mit Musik und einer Gastronomie, die zuim Themenpark passt, seien vorgesehen.

Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, das Thema werde laut Gallego innerhalb der Parteien sehr kontrovers diskutiert. Grundsätzlich positiv habe die konservative PP sowie der örtliche Hoteliersverband von Capdepera reagiert, viel Kritik und ideologische Bedenken gebe es aus den Reihen des oppositionellen Bündnisses aus Grünen und Linken (EU/EV). In einem weltlichen Land wie Spanien sei ein solcher Park einfach lächerlich, sagte Sprecherin Maria Orts. „Wir haben der „Grupo Sigma” seit dem Frühjahr noch nicht geantwortet, es gibt noch kein offizielles Projekt”, erklärt Gallego. Während der Sommerpause sei noch keine Zeit für Beratungen gewesen.

Noch in diesem Monat wolle er den Gemeiderat abstimmen lassen. Der Start eines möglichen Projekts, das nach ersten Kalkulationen zwischen sieben und zehn Millionen Euro kosten könnte, müsste anschließend auch noch vom Inselrat und der Balearen-Regierung abgesegnet werden.

Weißwurst einmal etwas anders

Noch vier Wochen: MM-Golf-Trophy am 8. Oktober mit „Tristán”-Catering

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VON NILS MÜLLER

Mallorca, 9. September – Wenn das Mallorca Magazin auf dem Platz von Golf de Andratx ein Turnier veranstaltet, läuft im Normalfall alles vollkommen reibungslos. Fast alles ...

Erfahrungsgemäß kann es zu leichten Verzögerungen im Spielfluss kommen, wenn das Sternerestaurant „Tristán” aus Puerto Portals die Verpflegung am Halfwayhouse übernimmt – weil mancher Golfer lieber doch noch etwas länger schlemmen möchte ... Das dürfte auch der Fall sein bei der „Mallorca Magazin Golf Trophy powered by Axel Lange Versicherungen und Dorint Royal Golfresort & Spa Camp de Mar”, die am 8. Oktober (ein Freitag) in Camp de Mar stattfindet. „Tristán” tischt auf, Küchenchef Gerhard Schwai- ger verrät jetzt, was es an Leckereien geben wird: mediterranen Weißwurstsalat mit Laugen-Semmeln, Ravioli Vitello Tonnato und Quarkknödel mit Passionsfrucht-Zitronencoulis. Dazu wird unter anderem Wein von der Bodega Biniagual ausgeschenkt.

Das „Tristán”-Catering ist nur eines von vielen Highlights der MM-Trophy. Wohl kein anderes Golfturnier auf Mallorca kann für nur 130 Euro Teilnahmegebühr so viel bieten:

- Zum Start gibt es Frühstück im „Campino”. Nach der Runde wartet dort ein After-Golf-Buffet.
- Jeder Teilnehmer erhält einige schöne Startgeschenke.
- Die Siegerehrung findet im Rahmen eines Gala-Dinners statt, bei dem Entertainer Jay Jay van Hagen für musikalische Unterhaltung sorgt.
- Für die Turniersieger gibt es Weinpräsente der Bodega Macià Batle.
- Bei einer Scorecard-Tombola werden attraktive Gewinne an die Golfer verteilt.
- Am Rande wird das Unternehmen „rotorflug helicopters” Hubschrauberflüge zum Sonderpreis von 59 Euro anbieten.
Das Golturnier mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis ist schon sehr gut gebucht. Noch gibt es keine Warteliste, aber aufgrund der vielen Anmeldungen muss von einem Kanonenstart abgesehen werden. Die Flights gehen nacheinander auf die Runde.

Anmeldungen bitte direkt an den Club: info@golfdeandratx.com. Wichtig: Geben Sie Ihre Kreditkartennummer an. Denn 50 Euro werden als Anzahlung fällig und verfallen bei einer Absage 24 Stunden oder noch kürzer vor dem Turnier.

Luxus über den Wolken

Etwa 5000 Passagiere kommen jährlich im Privatflugzeug nach Mallorca

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VON JONAS MARTINY

Mallorca, 9. September – Angesichts von mehr als 21 Millionen Passagieren, die im vergangenen Jahr auf dem Flughafen in Palma abgefertigt wurden, nimmt sich die Zahl der Fluggäste, die per Privatjet anreisten, geradezu lächerlich gering aus: 5628. Dennoch (oder gerade deswegen) vermutet manch einer enormes Potenzial in dem Geschäft mit den wohlhabenden Reisenden, die bereit sind, viel Geld für den Luxus über den Wolken zu bezahlen.

So plant Flughafenbetreiber Aena eine erhebliche Investition, die den privaten Flugverkehr auf Mallorca erleichtern soll, wie eine Sprecherin des Staatsunternehmens bestätigt. Für 5'5 Millionen Euro wird auf dem Gelände des Flughafens Son Sant Joan ein 4000 Quadratmeter großer Hangar entstehen, in dem einst Kleinflugzeuge abgestellt werden können.

Auch der britische Unternehmer Clive Jackson sieht Geschäftsmöglichkeiten im Privatflugsektor. „Reisen in Privatjets zu erschwinglichen Preisen”, lautet seine Idee. Jackson plant die Einrichtung eines Internetportals, mit dessen Hilfe sich Interessierte zusammenschließen können, um gemeinsam ein Privatflugzeug zu mieten und die Kosten zu teilen. Schon für 895 Euro könne man so einen der exklusiven Sitzplätze buchen, so Jackson.

Das ist zwar immer noch erheblich teurer als ein Platz im Linienflug, jedoch schon deutlich günstiger als die 10.000 Euro, die es kosten dürfte, einen kleinen Flieger mit Platz für sechs Passagiere von Deutschland nach Mallorca zu mieten. Ziel ist es laut Jackson, „luxuriöse Reisen in die Reichweite von mehr Menschen zu bringen”.

Ob diese Idee erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. „Schon möglich, dass so neue Kundengruppen erschlossen werden können”, sagt Udo Maeyer vom auf Privatfliegerei spezialisierten Luftfahrtunternehmen Silver Cloud Air. Laut Maeyer ist Mallorca eines der europaweit gefragtesten Ziele von Reisenden in Privatjets, vergleichbar mit Cannes, Nizza, Málaga und Sardinien. „Unser Geschäft ist die Flexibilität”, sagt Maeyer. Jederzeit überallhin fliegen zu können, das ist der Anspruch der wohlhabenden Kunden. Im Privatjet nach Mallorca kämen in erster Linie gut betuchte Besitzer entsprechend exklusiver Anwesen auf der Insel. Angesichts eines eigenen Terminals für diese Passagiere sei am Flughafen in Palma lediglich das im Sommer hohe Flugverkehrsaufkommen problematisch.

Auch Lisa Ferrari vom Charterunternehmen Air Partner unterstreicht die Bedeutung Mallorcas als Zielort von Privatjets. „Vor allem von Deutschland aus ist die Insel ein gefragtes Ziel”, sagt sie. „Und das, obwohl das Angebot an Linienflügen ja wahrlich nicht gering ist.” Auch sie vermutet, dass in erster Linie wohlhabende Leute mit Zweitwohnsitz auf Mallorca den Komfort, die Flexibilität und den Luxus im Privatflieger zu schätzen wissen.

Die Krise jedenfalls, die auch den Privatflugsektor betroffen hat, scheint allmählich wieder abzuflauen. „Das Geschäft zieht wieder an”, so Ferrari. Diesen Eindruck bestätigt auch Flughafenbetreiber Aena. In den ersten sieben Monaten des Jahres zählte man am Flughafen bereits 4400 Passagiere, die im Privatjet gekommen waren. Die 5628 Reisenden des Jahres 2009 dürften deutlich übertroffen werden.

Stelldichein der Weltstars

25.000 Menschen kamen zum Doppelkonzert von Elton John und Andrea Bocelli

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VON ANDREA RAU

Mallorca, 9. September – Und nichts ist mehr, wie es war: Ein Satz, der für die Konzertlandschaft der Insel seit dem Doppelkonzert von Elton John und Andrea Bocelli am 4. September zutreffen dürfte. Denn der Event hat alles übertroffen, was je an musikalischen Acts in der Palma Arena oder der Plaça de Toros veranstaltet wurde. Bislang war das größte Inselkonzert ein Auftritt von Sting, zu dem 15.000 Menschen kamen - vor 17 Jahren. Am Samstag waren es rund 10.000 mehr.

Eine Veranstaltung der Superlative war es in mehrfacher Hinsicht: Nicht nur, was Lichttechnik, Akustik und Bühnenaufbau betraf. Es war das erste Konzert im Stadion Son Moix. Und es vereinte gleich zwei Weltstars und zwei Stilrichtungen in insgesamt fünf Stunden Musik.

Als die Besucher am Samstagabend ab 17 Uhr ins Stadion Son Moix strömten, war dieses nach einwöchiger Umbauarbeit durch rund 600 Helfer kaum wiederzuerkennen: Der Rasen mit mehreren tausend Stühlen bestückt, viele davon festlich in weiße Hussen "gekleidet". Und an der Stirnseite ein monumentaler, rund 50 Meter breiter Bühnenaufbau. In schwindelerregender Höhe (23 Meter) justierten die angeseilten Techniker ein letztes Mal das Heer an Scheinwerfern und Strahlern.

Ein übergroßer Led-Bildschirm und zwei kleinere übertrugen nicht nur das Geschehen auf der Bühne, sondern begleiteten die folgenden Darbietungen mit stimmungsvollen Bildern und Filmen: bei Bocelli eher romantisch anmutend, bei Elton John knallbunt und frech.

Ständig auf Achse zwischen einem Stadionende und dem anderen: ein sichtlich zufriedener Onni Nordström, mit seiner Firma "Big O Productions" der Veranstalter des Events. Der ihm so manche schlaflose Nacht beschert haben dürfte: "Von Anfang an war mein Vorhaben vielen ein Dorn im Auge, vor allem Veranstalter vom Festland befürchten offenbar, dass Mallorca eine Konkurrenz für sie werden könnte", erzählt er. Nordström betont, das Doppelkonzert sei nur ein Auftakt für weitere Musikgrößen. Wen er als nächstes für einen Inselauftritt engagieren will, ist noch ein streng gehütetes Geheimnis - das er in den kommenden Wochen aber lüften will.

"Man kann nur hoffen, dass sich dieses Ereignis überhaupt noch steigern lässt, denn jetzt wird das Publikum noch mehr fordern", schrieb die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", die dem Ereignis die komplette Titelseite ihrer Sonntagsausgabe widmete. Überschrift: "Apoteósico" - göttlich. Das spanische erste Fernsehen TV1 machte das Konzert sogar zu ihrem Hauptkulturthema der Sonntagsnachrichten.

Dass es zu ein paar Widrigkeiten in Form langer Warteschlangen vor den Imbißständen und Toiletten kam (viele Besucher hielten die aufgestellten WC-Häuschen irrtümlich für die einzigen sanitären Einrichtungen, dabei gab es noch die Stadion-Toiletten), dürften die Gäste nach den mitreißenden Auftritten der beiden Stars wohl längst wieder vergessen haben.

Konsens statt Kraftakt

Großprojekt Playa de Palma: Vor den Wahlen im Mai 2011 passiert überhaupt nichts. Pläne werden überarbeitet

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Mallorca, 9. September – Noch ein Paukenschlag: Nach der überraschend deutlichen Intervention des balearischen Ministerpräsidenten Francesc Antich aufgrund der zunehmenden Proteste der Anwohnerschaft, die dazu geführt hatten, dass die im Rahmen des Playa-Sanierungsprojekts vorgesehenen Abrisspläne in Can Pastilla kurzfristig auf Eis gelegt wurden, legte er jetzt noch einen drauf. Nach einer 45-minütigen Zusammenkunft mit allen politisch Verantwortlichen am Mittwoch steht nun fest: Bis Mitte des kommenden Jahres – und das heißt vor allem: bis zu den Lokal- und Regionalwahlen im Mai 2011 – wird es keinen weiteren reformierten Sanierungsplan für die Playa de Palma geben.

Die parteipolitische Brisanz des Zehn-JahresMammut-Projekts, dessen geschätzte Kosten mit insgesamt knapp vier Milliarden Euro beziffert werden, war in den vergangenen Wochen immer deutlicher geworden. Um den nötigen Konsens herzustellen, soll nun in der kommenden Woche eine parteiübergreifende Kommission gebildet werden, die sich bis zum 30. Dezember über die Modifikation des Sanierungsplanes einigen soll.

Entgegen der vorherigen Überlegung, die öffentliche Auslegung der Pläne – und damit die Möglichkeit für betroffene Bürger, Widerspruch einzulegen – über den 6. Oktober hinaus zu verlängern, soll nun doch an diesem Datum festgehalten werden (nur für offizielle Einsprüche von Gemeinden wurde die Frist bis zum 9. Dezember verlängert). Die Kommission hat dann bis Ende Dezember Zeit, einen verbindlichen Konsens darüber zu erarbeiten, wie die Korrekturen am Sanierungs-Plan aussehen sollen. Daraus wiederum soll das Konsortium zur Sanierung der Playa de Palma anschließend eine zweite Fassung des Bebauungsplan entwickeln, der ab Mitte 2011 erneut auch öffentlich ausgelegt wird. Auf die Frage, ob Margarita Nájera der Kommission weiter vorstehen werde, antwortete Antich, das sei „nicht Gegenstand der Debatte” gewesen.

Gegenwind erfahren hat das Projekt bislang vor allem durch die von einer Enteignung betroffenen Anwohner und von Hoteliers, die die angestrebte Halbierung der Hotelbetten in der Tourismus-Meile auf rund 25.000 heftig kritisieren. Nun hat Antich eine neue Marschrichtung ausgegeben: „Consensuar el proyecto”. In einem Wort: Konsens. ( spe)

Völler: „Für mich ist Barcelona Favorit”

MM-Interview mit dem Ex-Bundestrainer, der seine Fußballschule in Cala Millor besuchte

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Mallorca Magazin: Joachim Löw hat in der sogenannten „K-Frage” entschieden, dass Michael Ballack wieder Kapitän der deutschen Nationalelf wird, wenn er fit ist und Philipp Lahm die Binde trägt, wenn Ballack nicht dabei ist. Was ist Ihre Meinung dazu?
Rudi Völler: Ich finde, das ist eine vernünftige Entscheidung für alle Beteiligten. Logisch, dass Michael Ballack erst wieder hundertprozentig fit sein muss. Das wird kurzfristig der Fall sein, und dann kommt er zurück.

MM: Wäre es nicht für Ballack besser gewesen, den Platz freiwillig zu räumen?
Völler: Das glaube ich nicht. Er wird bei uns in Leverkusen noch zwei gute Jahre spielen und es spricht nichts dagegen, dass er das auch in der Nationalmannschaft tut.

MM: Besteht nicht die Gefahr, dass das Thema mit der jetzigen Lösung immer wieder hochkocht und für Unruhe sorgt?
Völler: Das wird sich von selbst erledigen, wenn Michel Ballack wieder richtig fit ist.

MM: Einer von denen, die mit Ballack auf dem Platz konkurrieren wollen, ist Sami Khedira. Der spielt jetzt zusammen mit Mesut Özil bei Real Madrid. Werden die beiden sich dort durchsetzen?
Völler: Wenn man zu Real Madrid wechselt, ist das immer schwer. Stars wie Cristiano Ronaldo oder Kaká sind natürlich gesetzt. Aber Özil und Khedira werden zu ihren Einsätzen kommen. Sie haben es mit ihrem Talent in der Hand, wie oft das dann sein wird.

MM: Schon nach wenigen Wochen hat sich Trainer José Mourinho über mangelnde Integration der beiden geäußert.
Völler: Ach, das darf man bei Mourinho nicht so auf die Goldwaage legen. Madrid hat im ersten Ligaspiel gegen Mallorca nur ein 0:0 erreicht. Hätten sie gewonnen, wäre das nie zur Sprache gekommen.

MM: Die beiden Neu-Madrilenen gehören zu der neuen Generation der Kicker in der deutschen Nationalmannschaft, die für ihr schönes Spiel gelobt wird. Früher hörte man oft den Begriff „Rumpelfußball”. Hat sich das Spiel der Deutschen durch Klinsmann und Löw geändert, oder finden sich die Wurzeln dafür schon in der Zeit, als Sie noch Bundestrainer waren?
Völler: Es liegt an der Qualität der Spieler. In den letzten zehn Jahren hat sich viel getan. Die Vereine haben gute Talente ausgebildet, davon profitieren auch die Nationalmannschaften des DFB. Es gibt einfach ein größeres Potential an jungen, talentierten Spielern. Das ist letztendlich der Schlüssel zum Erfolg.

MM: Was fehlt der Mannschaft noch zu dem legendären Team, das 1990 mit Ihnen den Weltmeister-Titel holen konnte?
Völler: Nicht viel. Unsere jetzige Mannschaft ist nah dran, die Qualität ist hoch. Man braucht manchmal das Quentchen Glück und muss jetzt etwas Geduld haben. Vielleicht schlagen wir dann ja in zwei Jahren die Spanier.

MM: Was war denn eigentlich das Besondere an Ihrer 90er-Mannschaft?
Völler: Wir waren gut. Einfach eine richtig gute Mannschaft. Qualitativ hochwertig besetzt, ein guter Trainer – da kannst du dann schon mal Weltmeister werden ...

MM: Spanien wurde erst Europa- und danach Weltmeister. Hält der Höhenflug an?
Völler: Das hängt davon ab, wir lange die Mannschaft in dieser Form noch zusammenspielt. Aber ich traue den Spaniern schon zu, noch einige Jahre vorne im Weltfußball mitzuspielen.

MM: Mit Raúl und Jurado kicken jetzt zwei Spanier in der deutschen Bundesliga. Auch andere Stars kamen hinzu.Wie ist die deutsche Liga im Moment aufgestellt?
Völler: So, wie es schon in den letzten Jahren absehbar gewesen ist. Die Qualität ist einfach besser geworden. Wir werden dieses Jahr ganz sicher die Italiener in der Fünfjahreswertung der Uefa überholen und somit auch den vierten Champions-League-Startplatz zurückholen. Wir werden uns auch den Engländern und Spaniern wieder annähern. In Spanien gibt es mit Barcelona und Real Madrid zwei absolute Top-Mannschaften – hinter dem Rest der Primera División müssen sich die deutschen Bundesligisten aber nicht verstecken.

MM: Wer ist denn hier Favorit? Barça oder Real Madrid?
Völler: Für mich ganz klar Barcelona. Die Mannschaft ist eingespielt, Mechanismen funktionieren. Es wird aber wieder ein Zweikampf.

MM: Ihr voller Terminkalender lässt es nicht zu, dass Sie sich ständig um Ihre Neckermann-Fußballschule hier in Cala Millor kümmern. Der Betrieb wird schon seit dem Start vor zwölf Jahren von Ihrem Freund und ehemaligen Mitspieler Michael Kutzop geleitet. Tauschen Sie sich trotzdem ab und zu über das aus, was hier so passiert?
Völler: Ja sicher, vor allem hinsichtlich der Trainer. Aber der Michael macht seine Arbeit sehr gut, hat alles im Griff. Es geht natürlich darum, dass den Kindern in der Fußballschule etwas beigebracht wird. Doch die haben hier Urlaub, und da ist der Spaßfaktor nicht zu vernachlässigen.

Mit Rudi Völler sprach MM-Redakteur Nils Müller

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